ChiemgauerMuenchenChiemgauAlpenverband


Zur Geschichte des Vereins

Gründungsmitglieder

Mitglieder beim Ausflug in der Gründungsphase

Vor über 100 Jahren war es, dass sich in München Chiemgauer Landsleute trafen, um ihr von zu Hause gewohntes Brauchtum weiterzupflegen. Das gemeinsame Singen, Musizieren, Tanzen und Platteln sollte etwas das Heimweh verdrängen. Denn gerne war hier keiner in die Stadt gezogen, die Arbeitslosigkeit auf dem Lande machte den Ortswechsel nötig, und so einfach wie heute, dass man in einer Stunde mit dem Auto am Chiemsee ist, war es damals halt noch nicht. Bei diesen Zusammenkünften entstand die Idee, einen Verein zu bilden und sich regelmäßig zu treffen. Am 28. Oktober 1894 wurde schließlich im Gasthof “Zum Königsbauer” in der Müllerstraße die “Chiemgauer Landsmannschaft” gegründet. 28 männliche Mitglieder zählte man, Frauen wurden erst ab 1900 geduldet, der Gründungsausschuss bestand aus Vorstand Alois Poschner, Schriftführer Lorenz Steindlmüller und Kassier Gottlieb Dürang. Der Sinn und Zweck des Vereins stellt sich in den alten Statuten so dar: “festes kameradschaftliches Verhalten der Chiemgauer in München zu fördern” und “durch die dem Verein angegliederte Trachtengruppe Trachten, Sitten, Tänze und Gebräuche unserer Heimat zu erhalten.” Folglich war die Mitgliedschaft auch nur gebürtigen Chiemgauern vorbehalten, was durch ein schriftliches Zeugnis nachgewiesen werden musste.

Nur gebürtige Chiemgauer waren zugelassen

Das erste große Ereignis war die Fahnenweihe 1898. Das Banner zeigt auf der einen Seite einen fröhlichen hutschwenkenden Burschen, der in einem  Kahn auf dem Chiemsee steht und zum Königsschloß Herrenchiemsee und in die Chiemgauer Berge hinein grüßt Auf der anderen Seite versinnbildlicht das Münchner Kindl mit dem Bayerischen und Münchner Wappen die Verbundenheit zur zweiten Heimat. Und natürlich ist auch der Wahlspruch des Vereins zu sehen: “Lustig in Ehren kann niemand verwehren.”

Kriegszeiten und Wiederaufbau


Nach der langen Friedensphase während der Prinzregentenzeit  haben die Auswirkungen der beiden Weltkriege haben auch unseren 
Verein schwer getroffen. Aus dem ersten kamen alle eingerückten Burschen glücklicherweise wieder zurück und das Vereinsleben konnte wieder aufblühen. 1930 zählte man bereits 115 Mitglieder. Das 40jährige Gründungsfest wurde dann 1934 im Königsbauer gebührend gefeiert, nach einem Festgottesdienst im Alten Peter. Der zweite Weltkrieg aber ließ tiefe Spuren zurück, das Vereinsleben kam fast völlig zum Erliegen. In den alten Protokollbüchern findet sich im Jahr 1941 nur ein einziger Eintrag, und er bleibt der letzte bis 1947. Neben den gefallenen Mitgliedern, die man zu beklagen hatte, wurden das Vereinslokal und das gesamte Vereinsinventar zerstört. Nur die Fahne, die ein Mitglied in Verwahrung hatte, blieb glücklicherweise erhalten.

Nach Kriegsende blieb zuerst alle Vereinstätigkeit untersagt und erst nachdem den Besatzungsbehörden die Statuten in deutscher und englischer Sprache vorgelegt worden waren, konnte mit dem “Wiederaufbau” des Vereins begonnen werden. Im Februar 1947 wurde die erste Versammlung nach dem Krieg abgehalten. 35 Mitglieder waren anwesend, vor dem Krieg waren es noch über 100 gewesen. Unter dem tatkräftigen Vorstand Georg Pichl, einem gebürtigen Wildenwarter, fing der Verein aber bald wieder an zu wachsen und 1949 konnte man das 55-jährige Bestehen schon wieder in größerem Rahmen feiern.

Aus der Landsmannschaft war mittlerweile ein Trachtenverein geworden und es kam der Wunsch auf, sich einem Trachtenverband anzuschließen. Was lag näher, als sich um die Aufnahme in den Chiemgau Alpenverband zu bemühen, schließlich waren fast alle Mitglieder gebürtige Chiemgauer und meist noch Mitglieder in den Trachtenvereinen ihrer Heimatdörfer. Die erste Teilnahme an einem Trachtenfest in der Heimat, 1949 in Bernau, war ein unvergessliches Erlebnis und ließ den Entschluss noch fester werden.

Es geht bergauf
 – die 50er Jahre

Vor allem der zweite Vorstand Felix Schuhböck, ein gebürtiger Bernauer, sorgte sich um einen guten Kontakt zum Gauverband und so wurden unter Gauvorstand Hias Schrobenhauser die “Chiemgauer München” 1950 in den Chiemgau-Alpenverband aufgenommen. Zu Anfang war man noch von bestimmten Vorschriften und Verpflichtungen entbunden, aber ab 1952 waren die Gaurichtlinien auch für uns verbindlich.

1951 nahmen wir zum ersten Mal beim Trachten- und Schützenzug zum Oktoberfest teil. Daraus ist uns eine lieb gewordene Tradition geworden und es ist heute wie damals immer ein besonderes Erlebnis, bei diesem größten Trachtenzug der Welt dabei zu sein.

Oktoberfest Trachten- und Schützenzug 1951

Oktoberfest Trachten- und Schützenzug 1951

Im Jahr darauf wurde das 60jährige Gründungsfest groß gefeiert. Für zwei Tage waren an die 500 Trachtler aus dem Chiemgau zu Gast, die vorwiegend privat beherbergt wurden. Schirmherr war der damalige Innenminister Dr. Wilhelm Högner und als Ehrengäste zum Festabend am Samstag den 22. Mai 1954 durfte man Regierungspräsident Dr. Mang, Oberbürgermeister Thomas Wimmer, Gauprotektor Freiherr von Cramer- Klett und natürlich Gauvorstand Hias Schrobenhauser begrüßen.

Am folgenden Sonntag stand die Weihe der renovierten Fahne an, mit dem Priener Trachtenverein als Paten. Die gute Verbindung nach Prien war nicht zuletzt ein Verdienst des ersten Vorplattlers Hans Dinauer, der dort langjähriges Mitglied war. Nach einem Festzug von der Kirche in den Salvatorkeller am Nockherberg ging das Fest dort erst in den späten Abendstunden zu Ende.

Die 60er bis 80er Jahre

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland konnte sich auch der Verein weiter positiv entwickeln. Die Schuhplattler waren gefragt bei vielen Veranstaltungen. Das blieb nicht immer ohne Kritik, da man den Kommerz als Gefahr für die ursprüngliche Idee der traditionellen Brauchtumspflege ansah. Die Aktivengruppe war dennoch eine starke Stütze der Vereinsarbeit und ein sichtbares Zeichen für die lebendige Chiemgauer Trachtentradition in der Landeshauptstadt. Im Jahr 1961 schrieb eine Münchner Zeitung anlässlich eines großen Heimatabends: “Der Chiemgau-Alpenverband hat in der Landeshauptstadt einen kleinen Stützpunkt mit dem GTEV Chiemgauer München. Wenn dieser ab und zu in größerem Rahmen in Erscheinung tritt, dann steht hinter ihm der ganze Chiemgau.”

Oktoberfest Trachten- und Schützenzug 1951

Oktoberfest Trachten- und Schützenzug 1951

1970 wurde der Verein dann auch einstimmig als Vollmitglied “mit gleichen Rechten und Pflichten wie die übrigen 22 Gauvereine” in den Chiemgau-Alpenverband aufgenommen. Damals wurde auch der Name in Gebirgstrachten-Erhaltungsverein “Chiemgauer München” geändert.

Nach dem unerwarteten Tod von Hans Dinauer übernahme der 2. Vorstand Herbert Jackstieß 1980 die Leitung des Vereins. Mit seinem Nachfolger Karl Niederreuther wurde 1984 wieder ein großes Fest anlässlich des 90 jährigen Vereinsbestehens gefeiert. Über 1.000 Gäste aus dem Chiemgau waren beim Festabend im Pschorrkeller an der Theresienwiese dabei. Die Priener Blaskapelle spielte als Festmusi auf. Schirmherr war der Oberbürgermeister von München, Georg Kronawitter.

Erich Hagner übernahm 1989 das Amt des 1. Vorstandes. In Vorausschau auf das 100 jährige Bestehen des Vereins wurde eine neue Fahne beschafft. Sie trägt dieselben Stickereien wie die alte, die nach nunmehr hundert Jahren ihre Pflicht erfüllt hat und im Fahnenkasten des Vereinslokals in den verdienten Ruhestand geht.

Die Chiemgauer München werden 100 Jahre

Der Festverein im Jahr 1994

Der Festverein im Jahr 1994

Zum 100. Gründungsfest hat sich der Verein ein großes Fest gewünscht. Ein Festausschuss wurde gegründet, um alle Vorbereitungen professionell zu erledigen.  Zu einem Gründungsfest braucht es natürlich auch einen Patenverein.

Patenbitten in Prien 1993

Patenbitten in Prien 1993

Unser Wunschverein war der Trachtenverein Prien – und so machte sich die Vorstandschaft auf zum “unbequemen” Bitten um die Patenschaft. Wir haben uns sehr gefreut, dass die Priener unserem Anliegen gefolgt sind.

Am 07. Mai 1994 war es soweit. Zum Festgottesdienst mit anschließender Fahnenweihe in der Münchner Theatinerkirche trafen die Abordnungen aller Vereine des Chiemgau-Alpenverbandes auf dem Odeonsplatz ein. Was für ein Bild bei herrlichem Frühsommerwetter! Wie zum 90. Jubiläum hatte auch diesmal der damalige Alt-OB Gerorg Kronawitter die Schirmherrschaft für dieses Fest übernommen. Mit Abt Odilo Lechner wurde eine würdige Messe gefeiert und die Fahne mit dem Segen ihrer Aufgabe übergeben.

Begrüßung des Patenvereins

Begrüßung des Patenvereins

Ein Festzug führte den Verein mit allen Gästen vom Odeonsplatz über die Brienner Str. , den Karolinenplatz und Königsplatz zum Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz. Die Darbietungen der verschiedenen Gruppen wurde mit großem Applaus aus dem vollbesetzten Saal belohnt. Mit dabei waren u.a. die Gaugruppe des Chiemgau-Alpenverbandes, die Original Münchner Schäfflertanzgruppe und die Priener Trachtenkappelle als Festmusi.

 

 

Auf gehts ins neue Jahrtausend!

Folgt demnächst